Anocris
Wertung
6,7 / 10
Ra und Anubis sind hier keine Kulisse. Die Gunst der Götter ist eine eigene Ressource, die du dir mit Ritualen und Festen zu ihren Ehren verdienst. Als Gegenleistung gibt es Zauber, und die wirken sowohl auf deine Stadt als auch auf das Schlachtfeld. Neben Wirtschaft und Militär steht damit eine dritte Säule.
Gespielt wird ein Pharao im Jahr 1200 vor Christus, der am Nil eine Siedlung zur Metropole ausbaut. Granit, Lehm, Getreide und Papyrus bilden die Grundlage, Anubiskrieger und Streitwagen die Armee. Betreiber ist die deutsche Lionmoon UG, gestartet wird im Browserfenster nach der Wahl eines Servers.
- Genre
- Aufbau- und Strategiespiel im alten Ägypten
- Entwickler / Publisher
- Lionmoon UG (haftungsbeschränkt), Deutschland
- Plattform
- Browser, ohne Installation
- Sprache
- Deutsch, eigene deutsche Server
- Preis
- Kostenlos, mit Premium-Diensten
- Status
- Aktiv
- Spieler
- Stämme als Gilden, über vierzig Server
- Altersempfehlung
- Laut AGB ab 16 Jahren
- Website
- de.anocris.com
- Götter
- Rituale und Feste bringen Zauber für Stadt und Schlachtfeld
Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026
Ankunft am Nil
Der Einstieg verlangt wenig. Benutzername, E-Mail-Adresse und Kennwort genügen, danach führen dich ein Diener und eine Priesterin durch die ersten Handgriffe, unterstützt von Wegweisern auf dem Bildschirm.
Gebaut wird sofort. Die ersten Häuser entstehen, du wählst Avatar und Stadtnamen, und erste Aufträge bringen dir Granit, Lehm, Getreide und Papyrus ein. Die Bevölkerung beginnt daraufhin zu wachsen, was wiederum neue Aufgaben nach sich zieht.
Aus der Siedlung soll eine Stadt werden. Authentisch gezeichnete Gebäude stehen dafür bereit, fortgeschrittene Bauten musst du allerdings erst erforschen. Ohne Wissenschaft kommt der Ausbau also an eine Grenze.
Die Spielmechanik im Detail
Vier Rohstoffe, eine wachsende Bevölkerung und eine Armee bilden das Gerüst dieser Stadt. Zusammengehalten wird alles von der Forschung, denn sie gibt Gebäude wie Einheiten überhaupt erst frei und bestimmt damit die Reihenfolge deiner Schritte.
Produktion, die du selbst anstoßen musst
Ein Detail unterscheidet diesen Titel von vielen Aufbauspielen. Jede Produktion stellst du von Hand ein, startest sie und holst das Ergebnis später selbst ab. Von allein läuft in deiner Stadt nichts.
Das kostet Aufmerksamkeit und gibt dir zugleich die Kontrolle. Welche Werkstatt gerade woran arbeitet, entscheidest du bei jedem Durchgang neu, was bei knappen Rohstoffen durchaus den Ausschlag geben kann. Vergessene Aufträge stehen dafür still.
Eine Bevölkerung mit Ansprüchen
Deine Untertanen wollen mehr als Essen auf dem Tisch. Neben Rohstoffen verlangen sie Unterhaltung, Kultur und Forschung, und zufriedene Bewohner unterstützen dich mit ihrem Wissen beim Ausbau deiner Macht am Nil.
Vernachlässigst du diese Seite, fehlt dir der Rückhalt in der eigenen Stadt. Der Pharao regiert hier also nicht im luftleeren Raum, er muss seine Leute bei Laune halten und dafür Bauten errichten, die nichts produzieren.
Anubiskrieger, Streitwagen und Medjau
Die Armee kennt mehrere Waffengattungen. Anubiskrieger und Streitwagenkämpfer stehen bereit, dazu die Medjau als historisch belegte Berufssoldaten. Wertvolle Einheiten verlangen wie die Gebäude zunächst Forschung, weshalb eine starke Truppe immer Vorlauf braucht.
Gegner findest du in zwei Sorten. Nomadenstämme in der Wüste sind die einfacheren Ziele und bringen Ruhm und Beute, andere Pharaonen dagegen wehren sich. Plündern, Brandschatzen und Vernichten gehören zum Repertoire.
Feste für die Götter
Die dritte Säule dieses Spiels ist ungewöhnlich. Rituale und Feste zu Ehren von Ra, Anubis und den übrigen Göttern bringen dir deren Unterstützung in Form von Zaubern ein, die auf deine Städte wirken.
Nützlich sind diese Zauber auf beiden Seiten des Spiels. Sie helfen beim Ausbau der Stadt ebenso wie bei der Verteidigung und bei eigenen Feldzügen, was religiöse Pflege zu einer strategischen Entscheidung macht.
Der Anbieter geht sogar noch weiter. Beworben wird das Erforschen geheimer Wissenschaften und ein Überschreiten der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, was für ein Aufbauspiel dieser Art bemerkenswert klingt.
Server, Stämme und die Frage nach dem Geld
Vor dem ersten Klick wählst du eine Welt. International stehen über vierzig Server bereit, für die deutsche Fassung gibt es eigene Welten mit Namen wie Merimda, Shenakhen oder Djedet.
Allein bleibst du dort selten. Stämme übernehmen die Rolle der Gilden, Mitglieder helfen in der Schlacht und in anderen Nöten, und ein eigenes Forum sammelt Fragen, Fehlermeldungen und Absprachen.
Beim Bezahlmodell fällt ein Befund auf. Im Test hat sich bestätigt, dass Geld in diesem Spiel tatsächlich nicht nötig ist, ein Urteil, das sich über Titel dieser Art kaum je fällen lässt. Premium-Dienste gibt es trotzdem.
Die Geschäftsbedingungen nennen sie beim Namen. Verkauft werden virtuelle Gegenstände, eine simulierte Währung und zusätzliche Funktionen, wobei sich nichts davon in echtes Geld zurücktauschen lässt. Erlaubt ist die Nutzung ab sechzehn Jahren, jüngere Spieler brauchen die Zustimmung ihrer Eltern.
Technik, Optik und Community
Schlicht bleibt der Unterbau. Für den Start genügt der Browser, ein Download ist nicht vorgesehen, und Fassungen für Telefon oder Tablet sind nicht bekannt. Damit reicht fast jeder Rechner für eine Partie.
Optisch überzeugt die Umsetzung im Test durch Detailreichtum und bleibt dabei trotzdem übersichtlich. Die Gebäude folgen dem ägyptischen Vorbild, von der Werkstatt bis zur Pyramide, und die Wüstenkulisse sorgt für eine Stimmung, die kein zweiter Titel dieser Liste hat.
Das Miteinander läuft über den Stamm. Diplomatie und Absprachen entscheiden über den Aufstieg, weil ein einzelner Pharao gegen mehrere Nachbarn selten lange besteht und Hilfe im Ernstfall über Sieg oder Niederlage entscheidet.
Bemerkenswert ist die Serverpolitik. Neben den laufenden Welten steht eine eigene Beta-Welt bereit, auf der sich Neuerungen vorab ansehen lassen. Für ein Spiel dieser Größe ist das ungewöhnlich offen.
Wem Anocris liegt und wem nicht
Interesse an Geschichte zahlt sich hier aus. Medjau, Rituale und Pyramiden sind keine Zufallsnamen, und der Bezug zur Epoche von Ramses II trägt durch das ganze Spiel. Zum Nachschlagen gibt es reichlich Anlass.
Mühsam wird es bei wenig Zeit. Jede Produktion braucht deine Hand, vom Einstellen über das Starten bis zum Abholen, und wer selten vorbeischaut, verschenkt die Kapazität seiner Werkstätten.
Friedliche Aufbauspieler sollten die Kriegsseite einkalkulieren. Andere Pharaonen dürfen deine Stadt plündern und brandschatzen, ein reines Bauspiel ist das hier trotz aller Wirtschaft nicht. Ohne Mauern und Truppen wird es unangenehm.
Stärken und Schwächen von Anocris
Beim Setting und beim Bezahlmodell überzeugt der Titel, beim Bedienaufwand weniger.
Diese Punkte machen Anocris interessant:
Das spricht für Anocris:
- Götter, Rituale und Zauber als dritte Säule neben Wirtschaft und Militär
- Historische Einheiten wie die Medjau als Berufssoldaten
- Laut Test ist Geld im Spiel nicht nötig
- Über vierzig Server, darunter eigene deutsche Welten
- Stämme mit Hilfe in der Schlacht, dazu ein eigenes Forum
- Deutscher Betreiber, Anmeldung mit drei Angaben
Das trübt den Spaß:
- Jede Produktion muss von Hand gestartet und abgeholt werden
- Fortgeschrittene Gebäude und Einheiten setzen Forschung voraus
- Andere Spieler dürfen plündern und brandschatzen
- Fassungen für Telefon oder Tablet sind nicht bekannt
- Laut Geschäftsbedingungen erst ab sechzehn Jahren erlaubt
- Der Name der Premiumwährung bleibt öffentlich unklar
Fazit zum Test von „Anocris“
Der Aufwand liegt woanders. Jede Werkstatt verlangt deine Hand beim Einstellen, Starten und Abholen, was den Titel für nebenbei ungeeignet macht. Dazu kommt die Kriegsseite, die aus dem beschaulichen Städtebau schnell einen Abwehrkampf machen kann. Für Geschichtsfreunde mit Zeit für regelmäßige Besuche ist das eine sehr gute Adresse.
Ein sorgfältig gebautes Ägypten, in dem die Gunst der Götter genauso zählt wie Granit, Getreide und eine schlagkräftige Armee.