Call of War 1942
Wertung
6,7 / 10
Bytro Labs betreibt neben „Call of War“ insgesamt zwei Strategiespiele nach demselben Bauplan. Eines spielt im Ersten Weltkrieg, dieses hier im Zweiten. Unverblümt gesagt gehört die Ähnlichkeit zum Vorgänger klar auf die Sollseite dieses Nachfolgers. Beide Titel nebeneinandergelegt, zeigen tatsächlich dieselbe Bedienung, dieselbe Kartenlogik und denselben Umgang mit der Zeit.
Ganz so einfach ist es nicht. Der Nachfolger bringt Unterschiede mit, die für deine Entscheidung wichtiger sind als das Jahrzehnt auf der Karte. Über 120 Einheiten, moderne Technik und Geheimwaffen bis zur Atombombe gehören dazu. Ein Browserfenster genügt zum Start, und weil der Titel auf HTML5 setzt, funktioniert auch der Browser eines Telefons oder Tablets.
- Genre
- Echtzeit-Strategie im Zweiten Weltkrieg
- Entwickler / Publisher
- Bytro Labs, Hamburg
- Release
- 2015
- Plattform
- Browser (HTML5), auch im Mobilbrowser
- Sprache
- Deutsch
- Preis
- Kostenlos, mit Premium-Inhalten
- Status
- Aktiv
- Spieler
- Partien mit bis zu 100 Spielern
- Altersempfehlung
- Ab 12 Jahren
- Website
- callofwar.com
- Forschung
- Über 120 Einheiten in fünf Zweigen, bis hin zu Geheimwaffen
Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026
Der Einstieg: 1942, ein Forschungsbaum und 120 Einheiten
Du übernimmst eine Nation in der Zeit ab 1942 und führst sie durch Wirtschaft, Forschung und Krieg. Provinzen erobern, Bündnisse schmieden, Truppen ausheben, das Grundgerüst kennst du aus dem Genre. Neu ist der Umfang dessen, was du dabei erforschen kannst.
Fünf Zweige stehen offen: Infanterie, Fahrzeuge, Flugzeuge, See-Einheiten und Geheimwaffen. Über 120 Einheiten verteilen sich darauf, und du entscheidest, wo du Schwerpunkte setzt. Diese Auswahl ist Segen und Hürde zugleich, denn wer alles will, bekommt nichts rechtzeitig.
Ein sanfter Einstieg sieht anders aus. Wie schon beim Vorgänger richtet sich das Spiel an Leute, die sich einlesen mögen. Freunde der Brettspiele Risiko oder Axis and Allies finden sich am schnellsten zurecht, weil ihnen das Grundprinzip vertraut ist.
Die Spielmechanik im Detail
Drei Dinge bestimmen deinen Erfolg: was deine Provinzen liefern, wie klug du forschst und wie du auf der Karte kämpfst. Der Forschungsbaum ist dabei das Element, das diesen Titel von allen Verwandten abhebt.
Terrain, Truppengattungen und Luftkampf
Auf der Karte zählt der Untergrund. Verschiedene Terrainarten verändern, wie sich deine Einheiten schlagen, und die falsche Gattung am falschen Ort verliert auch in der Überzahl. Wo du angreifst, entscheidet damit mit, ob sich der Angriff überhaupt lohnt.
Der Luftkampf bekommt ein eigenes System und läuft komplexer ab als die Bodengefechte. Zusammen mit den Seeeinheiten entsteht daraus ein Dreiklang, in dem jede Gattung ihren Platz hat. Panzerschlachten, Seegefechte und Luftkämpfe lassen sich auch gleichzeitig führen.
Geheimwaffen und die Atombombe
Am Ende der Forschungszweige warten Geheimprojekte, bis hin zur Atombombe. Sie sind teuer, dauern lange und verschieben eine Partie, sobald sie fertig sind. Damit bekommt der Forschungsbaum ein echtes Fernziel, das dem Vorgänger fehlt.
Historisch treu ist das nur bedingt, denn du schreibst den Verlauf des Krieges nach deinen Entscheidungen um. Das Spiel macht daraus kein Geheimnis und wirbt ausdrücklich damit, dass du die Geschichte neu schreibst.
Mehrere Partien gleichzeitig
Anders als bei vielen Rundenspielen darfst du in mehreren Partien zugleich antreten. Das lohnt sich, weil eine einzelne Runde ruhige Phasen hat, in denen wenig passiert. Zwei parallele Karten füllen diese Lücken, ohne dass du dich in einer einzelnen Partie überforderst. Auch verschiedene Strategien lassen sich so nebeneinander ausprobieren.
Supremacy 1914 oder Call of War, was passt zu dir
Beide Spiele stammen vom selben Studio und teilen ihr Grundprinzip. Die Unterschiede sind trotzdem größer, als der Vorwurf der Ähnlichkeit vermuten lässt, und sie betreffen genau die Punkte, auf die es beim Spielen ankommt.
Der Vorgänger setzt auf Masse. Bis zu 500 Menschen auf einer Karte, langsame Züge, wenige Truppengattungen, dafür eine ausgeprägte Wirtschaft und viel Diplomatie. Für das große Kartenspiel ist er die bessere Wahl, gerade wenn dich Verhandlungen mehr reizen als Technik.
Call of War setzt auf Tiefe. Kleinere Runden mit bis zu hundert Teilnehmern, dafür über 120 Einheiten, Terrainregeln, ein eigenes Luftkampfsystem und Geheimwaffen als Fernziel. Auch die Technik ist die modernere, das Spiel läuft auf HTML5 und damit auch im Mobilbrowser.
Kostenlos, mit deutlichen Vorteilen für Zahlende
Wie der Vorgänger kostet das Spiel grundsätzlich nichts, finanziert sich aber über Premiuminhalte. Die vielen Vorteile für zahlende Spieler gehören dabei klar auf die Sollseite, und in den Ranglisten schlägt sich das nieder.
Für eine Partie unter Bekannten spielt das eine geringere Rolle. Wenn ihr euch auf eine gemeinsame Runde einigt und niemand zahlt, bleibt das Kräfteverhältnis unangetastet. In offenen Partien mit hundert Fremden lässt sich diese Absprache nicht treffen.
Technik, Optik und Community
Der wichtigste technische Unterschied zum Vorgänger liegt im Unterbau. Call of War setzt auf HTML5 und läuft damit im normalen Browser wie im Mobilbrowser, ohne dass du dafür eine App installieren musst.
Optisch bleibt es zweckmäßig. Die Karte ist übersichtlich, Einheiten und Provinzen sind klar zu unterscheiden, große Effekte gibt es nicht. Veraltet wirkt die Grafik im Test durchaus, dieselbe Kritik trifft allerdings den Vorgänger in gleichem Maß.
Entwickelt wird der Titel bei Bytro Labs in Hamburg, einem Haus der schwedischen Stillfront-Gruppe. Die Entwicklungsarbeit konzentriert sich auf diesen Titel, was ihm gegenüber dem älteren Geschwisterspiel zugutekommt.
Wem Call of War liegt und wem nicht
Taktiker mit Geduld sind hier genau richtig. Wenn du Freude daran hast, Forschungszweige abzuwägen, Terrain zu lesen und über Wochen an einer Front zu arbeiten, findest du hier eines der tiefsten kostenlosen Strategiespiele. Der Zugang über den Mobilbrowser macht das Nachschauen unterwegs leicht.
Wenig geeignet ist es für Einsteiger ohne Vorwissen und für alle, die schnelle Ergebnisse erwarten. Auch das Thema will passen, denn das Browsergame lässt dich den Zweiten Weltkrieg umschreiben. Wem dabei unwohl wird, greift besser zum Vorgänger oder zu einem Aufbauspiel.
Stärken und Schwächen von Call of War
Der Nachfolger gewinnt bei Tiefe und Technik, bei Einstieg und Fairness bleibt er auf dem Niveau des Vorgängers.
Diese Punkte machen Call of War interessant:
Das spricht für Call of War:
- Über 120 Einheiten in fünf Forschungszweigen
- Geheimwaffen bis zur Atombombe als echtes Fernziel
- Terrainregeln und ein eigenes System für den Luftkampf
- HTML5, läuft im Web- und im Mobilbrowser ohne Installation
- Mehrere Partien gleichzeitig spielbar
- Deutsches Studio, Entwicklungsfokus liegt auf diesem Titel
Das trübt den Spaß:
- Viele spürbare Vorteile für zahlende Spieler
- Der Einstieg erklärt wenig, der Forschungsumfang schreckt Neulinge ab
- Im Grundprinzip sehr nah am Vorgänger, streckenweise fast identisch
- Zweckmäßige Optik ohne große Effekte
- Ruhige Phasen, in denen wenig passiert
Fazit zum Test von „Call of War“
Der Vorwurf, es sei fast identisch zum Vorgänger, greift zu kurz, trifft aber beim Bezahlmodell durchaus zu. Für kleinere, tiefere Partien ist dieser Titel die bessere Wahl, für das große Kartenspiel bleibt der Vorgänger. Beide nebeneinander zu spielen lohnt sich kaum, weil sich die Abläufe zu stark gleichen.
Der technisch modernere und inhaltlich tiefere Bytro-Titel, der Einsteiger ebenso allein lässt wie sein Vorgänger und Zahlenden spürbare Vorteile einräumt.