Drakensang Online
Wertung
7 / 10
Der Name Drakensang stand einmal für zwei gefeierte deutsche Rollenspiele in der Welt von Das Schwarze Auge. Vor dem ersten Klick auf Drakensang Online solltest du eines wissen. Mit diesen Vorgängern hat das Spiel nichts zu tun, weder inhaltlich noch spielerisch. Geblieben ist der Name, und den hat der Betreiber Bigpoint für ein Genre übernommen, das mit den alten Teilen kaum eine Gemeinsamkeit hat.
Was dich erwartet, ist ein Action-Rollenspiel im Stil von Diablo. Du siehst deinen Helden von schräg oben, klickst dich durch Höhlen und Wälder und räumst auf, was sich bewegt. Das ist deutlich weniger vertrackt als ein klassisches Rollenspiel, dafür sofort zugänglich. Vier Klassen stehen zur Wahl. Starten kannst du direkt im Browser, alternativ über ein Programm für Windows oder macOS.
- Genre
- Action-Rollenspiel in Iso-Perspektive
- Entwickler / Publisher
- Bigpoint
- Release
- 2011
- Plattform
- Browser, Windows, macOS
- Sprache
- Deutsch
- Preis
- Kostenlos (Free-to-Play)
- Status
- Aktiv
- Spieler
- Rund 17 Millionen registrierte Konten nach Anbieterangabe
- Altersempfehlung
- USK ab 12 Jahren
- Website
- drakensang.com
- Nicht verfügbar für
- Linux, Handy und Tablet
Zuletzt aktualisiert am 10. September 2026
Der Einstieg: Klasse wählen und sofort losschlagen
Nach der Registrierung wählst du eine von vier Klassen. Zirkelmagier, Waldläufer, Drachenkrieger und Steam Mechanicus unterscheiden sich in Reichweite, Zähigkeit und Fertigkeiten deutlich voneinander. Bis zu vier Charaktere darfst du je Server anlegen, ein Fehlgriff kostet dich also nichts.
Danach geht es direkt los. Ein längeres Tutorial gibt es nicht, die ersten Quests erklären die Steuerung nebenbei, und nach wenigen Minuten stehst du im ersten Kampf. Dieser schnelle Einstieg ist im Test durchweg positiv aufgefallen, und er bleibt der größte Vorzug gegenüber komplexeren Vertretern des Genres.
Gespielt wird in der Iso-Perspektive mit der Maus. Angreifen, ausweichen, Fertigkeiten auslösen, alles läuft über Klicks und Tastenkürzel. Ein Spiel dieser Bauart erklärt sich damit von selbst, sofern du je eines gespielt hast.
Die Spielmechanik im Detail
Drakensang Online ruht auf drei Bausteinen: dem Ausbau deines Helden, dem Erkunden der Spielwelt Duria und dem Sammeln von Ausrüstung. Alles drei greift ineinander und folgt einer Formel, die seit Jahrzehnten funktioniert.
Vier Klassen und ihre Rollen
Der Zirkelmagier setzt auf Wissen und Zauberkraft und hält dafür wenig aus. Der Drachenkrieger geht in den Nahkampf und steckt ein, der Waldläufer hält Abstand und arbeitet mit Pfeil und Bogen. Der Steam Mechanicus bringt Technik ins Spiel und fällt damit aus dem üblichen Fantasy-Rahmen.
Jede Klasse hat eigene Stärken und Schwächen, und in einer gemischten Gruppe gleichen sich diese aus. Fertigkeiten schaltest du über Stufenaufstiege frei und verteilst Punkte auf die Zweige, die zu deinem Spielstil passen. Die Zahl der Fertigkeiten ist beachtlich, auch wenn die Auswahl selten falsch ausfallen kann.
Duria erkunden und Dungeons leeren
Die Spielwelt Duria orientiert sich am mittelalterlichen Europa und lässt sich frei durchstreifen. Du nimmst Quests an, steigst in Verliese hinab oder ziehst einfach los und schlägst Monster. Reittiere verkürzen die Wege zwischen den Gebieten.
Allein oder gemeinsam funktioniert beides, ein Gildensystem bündelt Spielergemeinschaften, und ein Chat hält alle in Verbindung. Neue Gebiete, Funktionen und Klassen kommen über Online-Updates dazu, das Spiel wächst also seit dem Start immer weiter.
Genau hier setzt allerdings auch unsere Kritik an. Die Missionen ähneln sich, und bei längerem Spielen klickst du oft dieselben Abläufe. Abwechslung entsteht eher aus neuen Gebieten als aus neuen Aufgabentypen.
Andermant und was Geld hier bewirkt
Die Premiumwährung heißt Andermant. Du findest kleine Mengen bei erledigten Aufträgen und besiegten Gegnern, größere gibt es im Shop gegen echtes Geld. Zwingend brauchst du die Währung nicht, um im Spiel voranzukommen.
Ganz folgenlos bleibt der Verzicht trotzdem nicht. Bestimmte Verbrauchsgegenstände wie manche Tränke lassen sich ausschließlich für Premiumwährung beschaffen, und daran führt im Spiel kein Weg vorbei. Ohne Geld fehlt dir damit ein Teil der Hilfsmittel, nicht aber ein Teil der Inhalte.
Warum der Name in die Irre führt
Die Vorgeschichte erklärt einiges. Das Berliner Studio Radon Labs entwickelte die beiden Drakensang-Rollenspiele, meldete 2010 Insolvenz an und wurde von Bigpoint übernommen. Übernommen wurden dabei die Namensrechte, nicht aber die Lizenz für Das Schwarze Auge.
Damit war klar, dass eine neue Welt her musste. Duria mit seinem eigenen Regelwerk hat mit dem Schwarzen Auge nichts gemein, obwohl der Titel eine Fortsetzung nahelegt. Für Kenner der Vorgänger ist das eine Enttäuschung, für alle anderen ohne Belang.
Mit dieser Vorgeschichte im Kopf sieht man das Spiel klarer. Drakensang Online ist ein Diablo-Verwandter aus deutscher Entwicklung und kein Nachfolger eines Pen-and-Paper-Rollenspiels. An dieser falschen Erwartung scheitert das Spiel teilweise, obwohl es als Action-Rollenspiel für sich genommen sauber funktioniert.
Technik, Optik und Community
Die Grafik ist der Trumpf des Spiels. Für einen Titel dieser Bauart sieht Duria bemerkenswert gut aus, mit stimmungsvollen Lichteffekten und dichten Kulissen. Die zugrunde liegende Engine stammt noch aus der Zeit der Vorgänger und wurde für den Einsatz im Browser angepasst.
Beim Zugang bietet der Anbieter beide Wege an, einen Start über die Webseite und einen Download für Windows und macOS. Ursprünglich lief das Spiel über ein Java-Applet, was heute keine Rolle mehr spielt. Unter Linux läuft es nur über Umwege, eine Fassung für Handy oder Tablet gibt es nicht.
Nach Angaben des Anbieters wurden rund siebzehn Millionen Konten angelegt. Weil Mehrfachanmeldungen erlaubt sind, sagt diese Zahl wenig über die tatsächliche Spielerschaft. Gilden und Chat sind vorhanden, gemeinsam gespielt wird vor allem in Verliesen.
Wem Drakensang Online liegt und wem nicht
Passend ist der Titel für alle, die Lust auf schnelle Gefechte ohne langen Vorlauf haben. Wenn dir die Diablo-Formel gefällt und du ein Spiel suchst, in dem du nach fünf Minuten mitten im Geschehen bist, wirst du hier fündig. Vier Klassen laden zum Ausprobieren ein, ohne dass du dich früh festlegen musst.
Wenig anfangen können Freunde erzählerischer Rollenspiele mit diesem Titel, ebenso alle, die auf einen Nachfolger der Drakensang-Reihe hoffen. Bei hohen Erwartungen an abwechslungsreiche Aufgaben werden dir die Missionen bald ähnlich vorkommen. Ohne Windows- oder Mac-Rechner bleibst du außen vor, andere Systeme werden nicht bedient.
Stärken und Schwächen von Drakensang Online
Aus Spielprinzip, Bezahlmodell und dem Eindruck aus dem Test ergibt sich ein klares Bild.
Diese Punkte machen Drakensang Online interessant:
Das spricht für Drakensang Online:
- Sehr schneller Einstieg, nach wenigen Minuten steht der erste Kampf
- Für das Genre starke Optik mit dichten Kulissen und Lichteffekten
- Vier deutlich unterschiedliche Klassen, bis zu vier Helden je Server
- Premiumwährung findbar, Inhalte auch ohne Geld erreichbar
- Deutsches Entwicklerstudio, laufende Erweiterungen seit dem Start
- Wahlweise über die Webseite oder als Programm spielbar
Das trübt den Spaß:
- Der Name weckt Erwartungen an die Vorgänger, die das Spiel nicht erfüllt
- Missionen ähneln sich, Abwechslung kommt vor allem über neue Gebiete
- Einzelne Verbrauchsgegenstände gibt es nur gegen Premiumwährung
- Kein Linux, keine Fassung für Handy oder Tablet
- Die Kontenzahl des Anbieters sagt wenig über die aktive Spielerschaft
Fazit zum Test von „Drakensang Online“
Erwarte allerdings kein Rollenspiel im Sinne der Vorgänger, denn vom Schwarzen Auge ist außer dem Namen nichts geblieben. Mit diesem Wissen im Rücken wirst du kaum enttäuscht. Für eine halbe Stunde Monsterräumen am Abend ist das genau die richtige Adresse. Dialoge, Entscheidungen und eine erzählte Welt findest du dagegen nur in den alten Teilen.
Ein zugängliches Action-Rollenspiel mit starker Optik, das seinen berühmten Namen zu Unrecht trägt und dessen Missionen sich mit der Zeit ähneln.