Elvenar
Wertung
6,8 / 10
Elvenar stellt dich vor eine Entscheidung, bevor du das erste Gebäude setzt. Elfen oder Menschen, und diese Wahl gilt für diese Welt dauerhaft. Am Spielverlauf ändert sie erstaunlich wenig, wie sich nach den ersten Kapiteln zeigt. Gebäude und Einheiten sehen anders aus, die Aufgaben dahinter und der Weg durch den Forschungsbaum bleiben dieselben.
Schade ist das, denn ansonsten macht dieses Fantasy-Aufbauspiel von InnoGames vieles richtig. Du baust eine Stadt in einer Märchenwelt, forschst dich durch 23 Kapitel und kämpfst rundenbasiert um Provinzen. Die Optik gehört zum Schönsten, was das Genre zu bieten hat. Zum Spielen genügt ein Browserfenster, unterwegs übernimmt eine App. Je Sprachversion stehen mehrere voneinander unabhängige Welten bereit.
- Genre
- Fantasy-Aufbauspiel mit rundenbasierten Kämpfen
- Entwickler / Publisher
- InnoGames GmbH
- Release
- Januar 2015
- Plattform
- Browser, Android, iOS
- Sprache
- Deutsch, 21 Sprachversionen
- Preis
- Kostenlos (Free-to-Play)
- Status
- Aktiv
- Spieler
- Mehrere unabhängige Welten je Sprachversion
- Altersempfehlung
- USK ab 16 Jahren
- Website
- de.elvenar.com
Zuletzt aktualisiert am 10. September 2026
Der Einstieg: Volk wählen, Stadt setzen, Quests folgen
Nach der Registrierung entscheidest du dich für ein Volk. Bei den Elfen wirkt alles gewachsen statt gebaut, und Golems und baumartige Ents schaffen dir Stein und Holz heran. Menschen bauen dagegen mittelalterlich aus Stein und setzen auf Handwerk und Technik.
Danach übernehmen Quests die Führung. Sie erklären dir Schritt für Schritt, welches Gebäude was leistet, und geben dem Aufbau eine Richtung. Das Tutorial überzeugt im Test auf ganzer Linie, weil es ohne Fachbegriffe auskommt und den Einstieg flach hält.
Der Haken zeigt sich später. Zwischen Elfen und Menschen gibt es aus spieltechnischer Sicht keinen Unterschied, die Völker unterscheiden sich in der Darstellung und in den Einheiten. Eine Entscheidung ohne Folgen bleibt eine verpasste Gelegenheit, und genau daran hat sich seit Jahren nichts geändert.
Die Spielmechanik im Detail
Elvenar ruht auf drei Bausteinen, die ineinandergreifen: dem Stadtaufbau mit knappem Platz, der Forschung durch 23 Kapitel und den rundenbasierten Kämpfen um Provinzen. Alle drei sind auf Geduld ausgelegt und nicht auf schnelle Erfolge, was den Ton dieses Spiels bestimmt.
Die Stadt: ausbauen statt abreißen
Ein Unterschied zum großen Bruder Forge of Empires fällt sofort auf. Deine Gebäude entwickelst du weiter, statt sie abzureißen und durch neue zu ersetzen. Das nimmt dem Aufbau viel Frust, weil gewachsene Strukturen erhalten bleiben.
Ganz ohne Planung geht es trotzdem nicht. Mit jeder Stufe brauchen Gebäude mehr Fläche, und der Platz in deiner Stadt bleibt begrenzt. Erweiterungen bekommst du über Gold oder über Diamanten, und damit wird die Bauplanung zur eigentlichen Aufgabe. Ein früher Fehlgriff zwingt dich später dazu, ganze Viertel umzuräumen.
Immerhin fallen die Gebäude kleiner aus als im Vergleichstitel, sodass der vorhandene Platz länger reicht. Wohngebäude bringen Einwohner und Steuern, und zwischen Wohnraum und Produktion hältst du die Waage, während Produktionsgebäude die Werkzeuge für Bau und Truppen liefern.
Forschung: 23 Kapitel und ein teurer Abkürzungsweg
Der Fortschritt läuft über einen Forschungsbaum, der sich über 23 Kapitel erstreckt. Freigeschaltet wird er mit Wissenspunkten, die dir mit der Zeit zuwachsen oder als Belohnung aus Quests zufallen.
Ungeduldige kaufen Punkte mit Gold oder Diamanten. Beim Kauf mit Gold steckt ein Detail, das man vorher kennen sollte. Der Preis verdoppelt sich mit jedem weiteren Kauf und wird dadurch rasch unbezahlbar.
Dazu kommen Relikte, die du auf der Weltkarte einsammelst und die deine Produktion verstärken. Sie geben dem Erkunden einen Zweck, der über den reinen Platzgewinn hinausreicht, und verbinden Weltkarte und Stadt miteinander.
Kämpfe mit Rollenspielanteil
Die Gefechte laufen rundenbasiert ab und verlangen echte Aufstellung statt bloßem Zahlenvergleich. Deine Einheiten unterscheiden sich je nach gewähltem Volk in Aussehen und Fähigkeiten, im Ergebnis bleiben sie einander ebenbürtig. Ein Vorteil entsteht aus der Volkswahl also auch hier nicht.
Provinzen auf der Weltkarte lassen sich erobern oder durch Verhandlung gewinnen. Beides bringt dir Platz und Zugang zu neuen Rohstoffen, und beide Wege stehen dir jederzeit offen. Auch ohne einen einzigen Kampf kommst du mit Waren genauso weit.
Kostenlos, aber beim Bezahlmodell zeigt sich ein Zwiespalt
Beim Bezahlmodell fällt das Urteil zwiespältiger aus als bei jedem anderen Punkt dieses Spiels. Auf der einen Seite steht eine Balance zwischen kostenlosem Spiel und Bezahlangebot, die über weite Strecken als Pluspunkt durchgeht, denn bis weit in die mittleren Kapitel kommst du ohne einen einzigen Cent voran.
Auf der anderen Seite steht die Premiumwährung. Erspielen lässt sie sich praktisch nicht, und ohne größere Investition an Zeit oder Geld zieht sich der Fortschritt ab den späteren Kapiteln spürbar in die Länge. Beide Seiten dieser Rechnung gelten gleichzeitig, weshalb ein einfaches Urteil an dieser Stelle nicht zu haben ist.
Lange Zeit gab es zu Elvenar überhaupt keine Alterskennzeichnung, an der sich diese Frage hätte festmachen lassen. Seit der Prüfung liegt sie vor, und sie fällt eindeutig aus. Damit steht erstmals eine unabhängige Einordnung des Bezahlmodells zur Verfügung.
Was die Prüfstelle im Bezahlmodell gefunden hat
Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle prüfte Elvenar unter der Nummer 57135/25 und kam auf eine Freigabe ab sechzehn Jahren. Ausschlaggebend waren weder Gewalt noch Sprache, sehr wohl aber der Druck zum Vielspielen, erhöhte Kaufanreize und Kommunikationsrisiken.
Ein Punkt in dieser Liste verdient besondere Aufmerksamkeit. Neben Chats und Käufen im Spiel vermerkt die Prüfstelle zufällige Objekte, also glücksspielähnliche Mechanik. Beim Schwestertitel Forge of Empires fehlt dieser Vermerk, obwohl beide Spiele aus demselben Haus stammen.
Für die Einordnung ändert das einiges. Zur Frage, wie fair dieses Spiel mit dem Geldbeutel umgeht, liegt damit erstmals eine Antwort von einer Stelle vor, die weder Werbekunde noch Fan ist. Drei Kennzeichen stehen dort, wo vorher keines stand.
Technik, Optik und Community
Gespielt wird im Browserfenster, ganz ohne Installation, wahlweise auch über die App auf Handy und Tablet. Die Grafik ist der stärkste Trumpf, detailreich und liebevoll gestaltet, mit Gebäuden, die sich beim Ausbau sichtbar verwandeln.
Diese Schönheit hat einen Preis. Im Test zeigt sich eine hohe Auslastung von Grafikkarte und Prozessor, was gerade auf älteren Rechnern spürbar wird. Für ein Spiel, das im Browserfenster läuft, ist das ungewöhnlich viel.
Auf der sozialen Seite bietet Elvenar 21 Sprachversionen mit jeweils mehreren unabhängigen Welten, dazu Gilden und Turniere. Die Community ist allerdings wenig aktiv, was bei der Zahl paralleler Welten wenig überrascht, denn dieselbe Spielerschaft verteilt sich auf sehr viele Server.
Wem Elvenar liegt und wem nicht
Wenn du ein Aufbauspiel suchst, das gut aussieht und dich nicht mit Abrissarbeiten aufhält, bist du hier richtig. Elvenar belohnt geduldiges Planen, hübsches Bauen und das Sammeln von Relikten, und der Einstieg gelingt ohne jedes Vorwissen. Wartezeiten gehören dabei zum Prinzip, überbrücken lassen sie sich mit Quests und Turnieren.
Weniger passend ist es, wenn du dir von der Fraktionswahl echte Unterschiede erhoffst oder wenn dich Wartezeiten und Kaufangebote stören. Auch ein schwacher Rechner spricht dagegen, weil die Darstellung mehr Leistung zieht als üblich und die Stadt mit jedem Kapitel voller wird.
Stärken und Schwächen von Elvenar
Aufbau, Forschung und das zwiespältige Bezahlmodell ergeben zusammen ein zweigeteiltes Bild.
Diese Punkte machen Elvenar interessant:
Das spricht für Elvenar:
- Sehr hübsche, detailreiche Fantasy-Optik mit sichtbar wachsenden Gebäuden
- Gebäude werden ausgebaut statt abgerissen, das erspart Frust
- Leichter Einstieg durch das gute Tutorial
- 23 Kapitel Forschung, dazu Quests, Relikte und Turniere
- Rundenbasierte Kämpfe mit Rollenspielanteil
- Browser und App mit demselben Spielstand, 21 Sprachversionen
Das trübt den Spaß:
- Die Wahl zwischen Elfen und Menschen bleibt fast folgenlos
- USK-Kennzeichen wegen Kaufanreizen, Vielspieldruck und zufälliger Objekte
- Beim Punktekauf mit Gold verdoppelt sich der Preis mit jedem Kauf
- Hohe Auslastung von Grafikkarte und Prozessor
- Community gilt trotz vieler Welten als wenig aktiv
- Die Premiumwährung lässt sich praktisch nicht erspielen
Fazit zum Test von „Elvenar“
Die folgenlose Fraktionswahl bleibt eine vertane Chance, und beim Bezahlmodell sagt dir die Alterskennzeichnung mehr als jede Werbeaussage des Anbieters, weil sie von unabhängiger Stelle kommt und die Kaufanreize ausdrücklich benennt. Zum Bauen und Ansehen einer Stadt ist das hier goldrichtig. Eine Entscheidung mit spürbaren Folgen solltest du in der Fraktionsfrage allerdings nicht erwarten.
Ein wunderschönes Aufbauspiel mit sanftem Einstieg, dessen Fraktionswahl nichts entscheidet und dessen Bezahlmodell die Prüfstelle mit einem eigenen Kennzeichen versehen hat.