Forge of Empires
Wertung
7,4 / 10
Forge of Empires trägt seit einer Neubewertung eine Freigabe ab 16 Jahren, und der Grund dafür ist weder Gewalt noch Sprache. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle nennt erhöhte Kaufanreize und Druck zum Vielspielen. Für ein Aufbauspiel mit pixeligen Rittern ist das eine bemerkenswerte Einordnung. Geprüft hat die Stelle damit die Art, wie der Titel seine Spieler bei der Stange hält, und genau die bestimmt hier den gesamten Verlauf.
Sie trifft den Kern dieses Spiels genauer als jede Beschreibung seiner Grafik. Du führst eine Handvoll Menschen von den ersten Hütten der Steinzeit bis zur bemannten Raumfahrt, und der Weg dorthin ist mit Wartezeiten gepflastert. Die Uhr ist hier wichtiger als jede Einheit auf dem Schlachtfeld. Entwickelt wird der Titel bei der InnoGames GmbH in Hamburg, erreichbar ist er über ein Browserfenster und über Apps für Telefon und Tablet.
- Genre
- Aufbaustrategie mit rundenbasierten Kämpfen
- Entwickler / Publisher
- InnoGames GmbH
- Release
- 2012
- Plattform
- Browser, Android, iOS
- Sprache
- Deutsch
- Preis
- Kostenlos (Free-to-Play)
- Status
- Aktiv
- Spieler
- über zehn Millionen App-Installationen, 26 Sprachversionen
- Altersempfehlung
- USK ab 16 Jahren
- Website
- de0.forgeofempires.com
Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026
Der Einstieg: Steinzeit, ein Berater und viele Quests
Der Start ist sorgfältig gebaut. Ein Berater führt dich durch die ersten Handgriffe, danach übernehmen Quests die Rolle des Lehrers. Weil ständig etwas fertig wird und die nächste Aufgabe schon bereitliegt, fühlen sich die ersten Stunden flüssig an. Das Spiel belohnt dich in dieser Phase im Minutentakt.
Nach einigen Tagen kippt das Tempo. Die Bauzeiten wachsen von Minuten auf Stunden, dann auf Tage, und die Zahl der Systeme steigt schneller, als das Tutorial sie erklärt. Gilden, Blaupausen, legendäre Bauwerke, Turniere, tägliche Herausforderungen und Events schalten sich nach und nach frei, jedes mit eigenen Regeln und eigener Währung. Neue Spieler verlieren an dieser Stelle regelmäßig den Überblick, und genau darauf laufen ihre Rückmeldungen nach den ersten Tagen hinaus.
Wichtig ist die Wahl deiner Spielwelt. Auf alten Welten stehen Städte, die seit vielen Jahren wachsen, dort holst du nichts mehr auf. Neuere Welten geben dir eine faire Ausgangslage, dafür sind die Gilden dort kleiner. Deine Nachbarschaft wird ohnehin alle zwei Wochen neu ausgelost.
Die Spielmechanik im Detail
Forge of Empires ruht auf vier Säulen, die ineinandergreifen: der Stadt mit ihrem knappen Platz, dem Forschungsbaum mit den Forge-Punkten, den rundenbasierten Kämpfen und der Gilde. Eine davon liegen zu lassen kostet dich vor allem Tempo, aufholen lässt sich der Rückstand später nur mühsam.
Die Stadt: vier Bausteine und zu wenig Platz
Wohnhäuser bringen Einwohner und Münzen, Produktionsstätten liefern Vorräte, Gütergebäude erzeugen die Rohstoffe für Forschung und Handel, und Dekorationen halten die Bevölkerung bei Laune. Eine unzufriedene Stadt produziert weniger, also behältst du das Verhältnis im Auge.
Der Platz ist der eigentliche Engpass. Neuen Baugrund gibt es über den Forschungsbaum, über eroberte Provinzen, gegen Medaillen aus Kämpfen und gegen Diamanten. Jedes neue Gebäude verdrängt ein anderes, und deshalb wiegt jede Entscheidung schwer.
Genau daraus entsteht der Reiz für alle, die gern optimieren. Eine durchdachte Stadt läuft wie ein Uhrwerk, während eine planlos gewachsene Ressourcen ohne Ertrag frisst. Ein späterer Umbau kostet dich Zeit, die das Spiel ohnehin knapp hält.
Forge-Punkte: das Grundtempo des Spiels
Der Aufstieg durch rund zwanzig Zeitalter läuft über den Forschungsbaum, in den du Forge-Punkte investierst. Einen Punkt bekommst du je Stunde, allerdings nur, solange in deiner Leiste Platz ist. Mehr gibt das Spiel von sich aus nicht her.
Läuft sie über, ist jede weitere Stunde verschenkt, und aus diesem Grund schauen erfahrene Spieler mehrmals täglich vorbei. Das Grundtempo steht damit fest, lange bevor du über Geld nachdenkst.
Forge-Punkte brauchst du nicht nur für die Forschung. Auch der Handel außerhalb der Gilde und der Ausbau legendärer Bauwerke laufen über diese Währung, und kaufen lässt sie sich ebenfalls. An dieser Stelle beginnt das Bezahlmodell in die Mechanik zu greifen.
Kämpfe auf dem Hexfeld
Neben der Stadt liegt die Weltkarte mit Provinzen, die du erobern oder freikaufen kannst. Die Gefechte laufen rundenbasiert auf einem Hexfeld ab, mit Einheiten, die unterschiedlich weit ziehen und unterschiedlich gepanzert sind. Die Aufstellung entscheidet damit mit.
Wahlweise übernimmt das Spiel den Kampf oder du ziehst jede Einheit selbst. Verwundete Truppen heilen mit der Zeit, gefallene lassen sich mit Diamanten wiederbeleben. Taktisch steckt hier mehr drin, als der erste Blick auf die Comic-Grafik vermuten lässt.
Gilden, Nachbarn und tägliche Hilfe
Bei Nachbarn, Freunden und Gildenmitgliedern setzt du alle vierundzwanzig Stunden eine Aktion. Ein Motivieren lässt die laufende Produktion eines Gebäudes einmalig doppelt ausfallen, ein Polieren hebt die Zufriedenheit einer Dekoration für zwölf Stunden aufs Doppelte. Bei jeder Aktion springt eine Chance auf eine Blaupause heraus, und Blaupausen brauchst du für dein erstes legendäres Bauwerk.
Die Gilde ist der Ort mit den besten Momenten. Expeditionen führen euch gemeinsam durch mehrere Schwierigkeitsstufen, Gildenkämpfe verteilen Sektoren auf einer eigenen Karte, und der Gildenschatz finanziert Bauwerke für alle. Ohne Gruppe fehlt dir ein großer Teil der Belohnungen. Aktive Gilden verlangen dafür Verbindlichkeit, weil viele Aktivitäten feste Zeitfenster haben.
Die Kehrseite ist das Plündern. Fertige Produktionen, die zu lange herumstehen, holen sich deine Nachbarn. Das kostet selten viel, erzeugt aber den Rückkehrdruck, den die USK kennzeichnet. Lange Produktionen startest du deshalb am besten vor dem Schlafengehen.
Das Stellare Zeitalter als Endgame
Am Ende des Forschungsbaums wartet mit dem Stellaren Zeitalter ein eigenes Endgame-Kapitel. Der Zugang setzt sämtliche vorherigen Zeitalter voraus, und das ist eine Aufgabe für Jahre statt für Monate.
Das Kapitel bricht mit einem alten Prinzip. Die dort gebaute Stellare Stadt bleibt dauerhaft bestehen, während frühere Außenposten beim Zeitalterwechsel zurückgesetzt wurden. Deine Arbeit dort war also immer nur geliehen, im Stellaren Zeitalter bleibt sie dir erhalten.
Dazu kommt eine Erkundungsmechanik mit Missionen ins Unbekannte, wahlweise orbital, stellar oder intergalaktisch. Die Forschung führt an einen Scheideweg, an dem eine gewählte Technologie die Alternativen endgültig sperrt. Solche unumkehrbaren Entscheidungen kannte das Spiel vorher nicht.
Was dich Forge of Empires an Zeit kostet
Die Frage vor der Anmeldung lautet nicht, ob das Spiel gut ist. Sie lautet, wie viel Zeit es verlangt. Zwei Termine am Tag sind das Minimum, morgens und abends je zehn bis fünfzehn Minuten.
Diese halbe Stunde reicht für stetiges Vorankommen, ohne einen Cent auszugeben. Spieler im deutschen Forum berichten allerdings von zwei bis vier Stunden täglich, sobald Gildenkämpfe, Turniere und Events zusammenkommen. Ein langjähriger Spieler rechnet für alle Inhalte sogar zwölf Stunden vor.
Zwei tägliche Termine über ein Jahr sind rund 180 Stunden, und das ist die untere Grenze. Events verschärfen den Effekt, weil sie zeitlich begrenzt laufen und ihre besten Belohnungen an tägliche Teilnahme koppeln. Verpasste Tage lassen sich nicht nachholen, und ein Urlaub ohne Internet kostet dich messbaren Fortschritt.
Kostenlos, aber nicht ganz umsonst
Die Premiumwährung heißt Diamanten. Du bekommst sie in kleinen Mengen über Quests und Wettbewerbe, in größeren über echtes Geld, und die Pakete im Shop sind gestaffelt. Kaufen musst du nichts, das stellt auch InnoGames klar.
Der größte Teil der Diamanten fließt in Sofortproduktionen und abgekürzte Bauzeiten, ein kleinerer in Bauplatz, Forge-Punkte und wiederbelebte Truppen. Beim Bauplatz wird aus dem Zeitvorteil ein echter Vorteil, weil zusätzliche Felder dauerhaft mehr Stadt bedeuten.
Im reinen Stadtaufbau kommst du ohne Geld überall hin, es dauert nur länger. In den Ranglisten sieht es anders aus. Spieler berichten übereinstimmend, dass die oberen Event-Ligen praktisch nur mit Käufen erreichbar sind. Dasselbe gilt für kleine Gilden in den höheren Ligen der Gildenkämpfe.
Ehrlicher als Pay-to-Win ist deshalb die Bezeichnung Pay-to-Progress. Du kaufst keine Siege, du kaufst Zeit. Das Spiel macht dir diesen Unterschied nie transparent, und Kaufangebote erscheinen bevorzugt dann, wenn eine Wartezeit schmerzt.
Warum die USK erst ab 16 Jahren freigibt
Die USK hat Forge of Empires unter der Prüfnummer 57984/25 für den PC eingestuft, mit einer Freigabe ab 16 Jahren nach Paragraf 14 des Jugendschutzgesetzes. Genannt werden erhöhte Kaufanreize, Druck zum Vielspielen und erhöhte Kommunikationsrisiken. Die Einstufung betrifft ausdrücklich die Browserversion und nicht allein die App.
Dahinter steht eine Änderung im Prüfverfahren. Nutzungsrisiken wie Chat- und Kauffunktionen fließen in die Alterskennzeichnung ein, und der Beirat hat diese Praxis in den Leitkriterien verankert. Knapp ein Drittel der betroffenen Spiele bekam seither eine höhere Freigabe als zuvor, und meist gaben dieselben beiden Hinweise den Ausschlag.
Für die Spielbarkeit ändert das nichts, für die Einordnung viel. Aus früheren Jahren kennen viele den Titel noch als harmlosen Familienzeitvertreib, und dieses Bild hält sich bis heute hartnäckig. Die Altersgrenze steht nicht wegen der Gefechte, sie steht wegen der Bezahl- und Bindungsmechanik.
Technik, Optik und Community
Technisch bleibt das Spiel anspruchslos. Es läuft in jedem gängigen Browser ohne Installation und zusätzlich als App für Android und iOS, mit demselben Spielstand auf beiden Wegen. Für den Einstieg genügt ein einfacher Rechner, die Tastatur brauchst du praktisch nur für den Chat.
Mit wachsender Stadt wird es auf schwächerer Hardware träger, weil eine ausgebaute Metropole viele animierte Objekte gleichzeitig zeigt. Die handgezeichnete Comic-Optik ist gut gealtert und funktioniert in der Raumfahrt-Ära wie in der Bronzezeit.
Positiv fällt die Infrastruktur auf. InnoGames sitzt in Hamburg, die Server stehen in Deutschland, es gilt die Datenschutzgrundverordnung, und Chat, Postfach, Forum, Wiki sowie ein Support-Team stehen auf Deutsch bereit. Ansprechpartner und Impressum sitzen im selben Land wie du, was bei Anbietern dieser Größe selten vorkommt.
Was Spieler nach Jahren kritisieren
Die Rückmeldungen der Spielerschaft zeichnen ein zweigeteiltes Bild. In den App-Stores steht das Spiel bei gut vier von fünf Sternen, gestützt auf weit über eine Million Stimmen. Langjährige Spieler urteilen allerdings deutlich strenger, und ihre Stimmen häufen sich mit den Jahren.
Die Kritik wiederholt sich. Das Spiel sei zu komplex geworden, die Ladezeiten hätten nachgelassen, der Support antworte formelhaft. Am häufigsten fällt der Vorwurf, das Spiel sei auf zahlende Kundschaft ausgerichtet und lasse neue Spieler ohne Anschluss zurück.
Ein zweiter Punkt trifft die Optik. Eine effizient gebaute Stadt ist eine zugestellte Stadt, weil jedes Feld zählt und Dekorationen nur nach Nutzen platziert werden. Von der hübschen Siedlung der ersten Wochen bleibt in der Endphase wenig übrig.
Wem Forge of Empires liegt und wem nicht
Aufbau und Planung solltest du mögen, mit einem langsamen Grundtempo umgehen können. Es belohnt Leute, die gern optimieren und sich über einen laufenden Kreislauf aus Produktion, Forschung und Handel freuen. Zwei feste Termine gehören zum Alltag, morgens und abends je eine Viertelstunde.
Schwierig wird es für alle, die abends spontan eine Stunde spielen und danach wochenlang wegbleiben wollen. Dasselbe gilt bei Abneigung gegen Wartezeiten. Gegen die Spitzengruppe kommst du ohne Budget kaum an, und Eltern sollten die Altersfreigabe ernst nehmen.
Stärken und Schwächen von Forge of Empires
Nach dem Durchgang durch Aufbau, Bezahlmodell und Spielerstimmen fällt die Bilanz eindeutig aus.
Diese Punkte machen Forge of Empires interessant:
Das spricht für Forge of Empires:
- Rund zwanzig Zeitalter und ein Forschungsbaum, der über Jahre trägt
- Sorgfältiger Einstieg, das Tutorial läuft als Quest-Kette weiter
- Updates im Zwei-Wochen-Takt und ein eigenes Endgame-Kapitel
- Rundenbasierte Kämpfe mit echter Taktik statt bloßem Zahlenvergleich
- Deutscher Anbieter, Server in Deutschland, Support und Forum auf Deutsch
- Läuft ohne Installation im Browser und parallel als App
Das trübt den Spaß:
- Der Zeitbedarf wächst mit dem Fortschritt, Events verlangen tägliche Präsenz
- USK-Kennzeichen für erhöhte Kaufanreize und Druck zum Vielspielen
- Obere Event- und Gildenligen sind ohne Käufe kaum erreichbar
- Die Systemflut überfordert neue Spieler nach den ersten Tagen
- Effizientes Bauen zerstört die Optik der eigenen Stadt
- Ladezeiten lassen auf schwächerer Hardware spürbar nach
Fazit zum Test von „Forge of Empires“
Sobald du oben mitspielen willst, verlangt es Stunden statt Minuten und stellt dich vor Grenzen, die mit Geld niedriger ausfallen. Genau darin sah die USK den Anlass für die Einstufung ab 16 Jahren. Mit dieser Einordnung im Hinterkopf und einem gezügelten Ehrgeiz bekommst du eines der umfangreichsten kostenlosen Aufbauspiele überhaupt. Lässt du dich von Ranglisten treiben, bleibst du besser fern.
Ein Aufbauspiel von seltener Tiefe, das seinen Preis in Zeit verlangt und seine Ranglisten an zahlende Spieler vergibt.