Elfmeter oder Freispiele? Wenn Fußball zur Glückssache wird
Fußball-Spiele können schon für sich alleine enorm spannend sein, doch wenn dann noch ein Elfmeterpfiff ertönt, kann es zum puren Nervenkitzel werden. KO-Runden, die mit Elfmeterschießen entschieden werden, sind nichts für schwache Nerven. Und spätestens da lässt sich erkennen, dass ein Elfer längst kein sicheres Tor ist.
Doch wie steht es eigentlich mit den Chancen? Wie viel Glück ist wirklich bei einem Elfmeter im Spiel? Braucht es so viel Glück wie bei Book of Ra Deluxe, um Freispiele zu erhalten, oder hängt es alleine vom Können des Schützen ab? Unterm Strich lässt sich feststellen, dass Elfer durchaus eine Art Glücksspiel sind. Und dennoch gibt es Schützen, die wesentlich erfolgreicher als andere sind. Mehr zu diesem Thema gibt es in diesem Artikel zu erfahren.
Die Illusion einer 100 % Chance
In einem Spielautomaten braucht es Glück. Im Hintergrund gibt es Wahrscheinlichkeiten und Zufallsgeneratoren, mit denen die Ereignisse ausgelöst werden. Allzu viel können Spieler nicht beeinflussen. Bei Elfmetern sieht das allerdings anders aus. Dennoch sind solche Chancen weit davon entfernt, zu 100 % zu Toren zu werden. Frenetischer Jubel tritt häufig auf, wenn der Pfiff des Schiedsrichters ertönt und er auf die Mitte des Strafraums zeigt. Doch der Ball muss auch erst einmal ins Tor befördert werden. Das gelingt tatsächlich im Profifußball nur in 75 % bis 80 % der Fälle. Es kann also mitnichten von sicheren Toren gesprochen werden.
Das bedeutet, dass jeder vierte bis fünfte Schuss daneben geht. In diesen Fällen fliegt der Ball am Tor vorbei, trifft die Latte oder den Pfosten oder wird vom Torwart gehalten. Dabei passiert das Wesentliche eines Elfers in Bruchteilen von Sekunden. Der Schütze wählt eine Ecke oder die Mitte und versucht möglichst präzise zu schießen. Der Torhüter hat nur 0,3 bis 0,4 Sekunden Zeit für eine Reaktion, weshalb er kaum auf den Schuss selbst reagieren kann. Er muss vielmehr selbst im Vorfeld eine Entscheidung treffen, in welche Ecke er springen möchte.
Die höchste Wahrscheinlichkeit für ein Tor ist im sogenannten “Sweet Spot”, also knapp unter der Latte oder präzise in den Winkel. Allerdings steigt bei diesen Schüssen auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Ball daneben geht. Je sicherer der Schütze den Ball platzieren möchte, desto schwieriger wird es auch. Und hier zeigt sich dann auch die Kunst eines guten Schützen. Oft sind es Stürmer, doch es hat auch schon oft genug Abwehrspieler gegeben, die sichere Schützen waren. Teilweise sogar Torhüter. Hans Jörg Butt, der unter anderem für Hamburg, Leverkusen und Bayern München gespielt hat, kommt sogar auf 26 Tore in der Bundesliga.
Glück oder Nervenstärke?
Tatsächlich zeigen Analysen auch, dass die Trefferquote sinkt, wenn es um spielentscheidende Situationen geht. Es ist eine Sache, einen Elfmeter in der 1. Halbzeit eines Freundschaftsspiels zu schießen, doch eine andere, wenn der Elfer in der 93. Minute im Finale der Champions League oder Weltmeisterschaft gepfiffen wird. Unterm Strich heißt es, dass ein Tor umso wahrscheinlicher ist, je stärker ein Schütze seine Nerven im Griff hat. Doch auf der anderen Seite steht auch der Torwart, der das Glück haben kann, die richtige Ecke zu erahnen und somit zum Helden avancieren kann.
Kontroversen um Elfmeterentscheidungen
In den letzten Jahren ist der VAR hinzugekommen, also der Videobeweis. Eigentlich sollte er für mehr Gerechtigkeit sorgen, allerdings schuf er neue Kontroversen. Durch den VAR erscheint plötzlich jeder Kontakt als ein Foul, obwohl das normale Spieltempo zeigt, dass es sich dabei um eine Verzerrung handelt. Somit müssen Abwehrspieler sehr passiv agieren, um keinen leichtfertigen Elfmeterpfiff zu riskieren. Und die Häufigkeiten des Videobeweis stößt auch bei den meisten Spielern und Fans auf wenig Gegenliebe. Entsprechend gibt es auch weiterhin viele Diskussionen um den Elfmeter. Das dürfte sich auch in Zukunft nicht ändern.
Fazit zum Elfmeter Glücksspiel